Fette im Schmutzwasser schaden dem öffentlichen Kanal, der Abwasserreinigungsanlage und letztlich auch der Umwelt. Um diese Probleme zu vermeiden, ist für fetthaltiges Abwasser ein Fettabscheider Pflicht. Doch wann gilt das Wasser aus Küche oder Industrie als fetthaltiges Abwasser und was ist beim Einbau der Fettabscheider vor dem Kanal zu beachten? Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen!

Die Themen im Überblick:
Das Wichtigste zu fetthaltigem Abwasser:
Fetthaltiges Abwasser stellt eine Belastung für Kanalisation sowie Kläranlagen dar und ist vor dem Einleiten in den Kanal fachgerecht vorzubehandeln.
- Fettabscheider trennen Fette sowie Feststoffe aus dem Abwasser.
- Ob ein Abscheider erforderlich ist, hängt vom Fettgehalt des Abwassers ab.
- Entscheidend sind die individuellen Vorgaben der Kommune.
Planen Sie fachgerecht und beachten Sie die kommunalen Anforderungen, stellen Sie die Weichen richtig für einen rechtssicheren und störungsfreien Betrieb.
Fettabscheider entfernen Fette aus dem Abwasser
Ein Fettabscheider ist eine technische Anlage zur Vorreinigung von Abwasser. Diese besteht einfach beschrieben, aus einem großen Behälter mit Zulauf, Ablauf und Prallblechen im Inneren. Läuft fetthaltiges Abwasser aus dem Abfluss hinein, strömt es mit sehr langsamer Geschwindigkeit. Das gibt den Fetten Zeit, sich an der Oberfläche zu sammeln. Schwebstoffe sinken zum Boden ab und in der Mitte des Fettabscheiders bildet sich eine Schicht mit vorgereinigtem Abwasser. Dieses fließt unter einer Prallplatte hindurch aus dem Fettabscheider in den Kanal. Die folgende Abbildung stellt Aufbau und Funktion einmal grafisch dar.

Experten saugen Schlamm und Fette regelmäßig ab
Die Überreste des fetthaltigen Abwassers verbleiben im Fettabscheider. Ist die maximale Füllmenge erreicht, saugen Spezialfirmen diese ab. Die komplette Entleerung ist dabei genauso Pflicht, wie die regelmäßige Reinigung der Fettabscheider. Denn nur so lässt sich die ordnungsgemäße Funktion gewährleisten. Wie oft die Entleerung nötig ist, hängt vor allem von der Menge und der Zusammensetzung des fetthaltigen Abwassers ab. Normen wie die DIN 4040-100 fordern jedoch, die Maßnahme mindestens einmal im Monat umzusetzen.
Bei fetthaltigem Abwasser sind Abscheider Pflicht
Fällt fetthaltiges Abwasser an, ist ein Fettabscheider zwischen Abfluss und Kanal Pflicht. Neben der DIN 4040-100 und der DIN EN 1825 regeln das auch regionale Abwassersatzungen. Typisch ist der Einsatz dabei in Küchen, Gastronomiebetrieben, Metzgereien und anderen Betrieben der lebensmittelverarbeitenden Industrie. Wann Abwasser als fetthaltig gilt, hängt dabei vom tatsächlichen Fettgehalt ab. Üblich ist hier ein Grenzwert von etwa 100 Milligramm pro Liter Abwasser. Dieser bezieht sich auf die abtrennbaren Fette und Öle im Abwasser.
Wichtig zu wissen:
Üblicherweise geben Kommunen den Grenzwert vor. Er findet sich in kommunalen Abwassersatzungen oder Einzelbescheiden zur Entwässerung. Üblich ist ein Wert von etwa 100 mg/L, der im Einzelnen aber auch höher oder niedriger ausfallen kann. Wenden Sie sich daher vor der Planung unbedingt an die verantwortliche Stelle in Ihrer Kommune.
Fettgehalt im Abwasser feststellen: So klappt es
Ob es sich um fetthaltiges Abwasser handelt und wie viel Fett tatsächlich enthalten ist, lässt sich mit einer Laboranalyse feststellen. Dazu nehmen Sie oder Experten eine Abwasserprobe am Ablauf des Fettabscheiders – je nach Vorgaben kann eine Stichprobe oder eine 24-Stunden-Mischprobe erforderlich sein. Experten versetzen diese dann mit einem Lösungsmittel. Sie wiegen die festen Rückstände und erhalten das Ergebnis in Milligramm Fett pro Liter Wasser. Haben Sie bereits einen Fettabscheider, sind die Abwasser-Messwerte anschließend im Betriebstagebuch zu dokumentieren.
In diesen Fällen sind Fettabscheider keine Pflicht
Fallen nur geringe Mengen fetthaltigen Abwassers an oder befindet sich kaum Fett im Abwasser, können Sie auf einen Fettabscheider vor dem Kanal verzichten. Der Fall ist das unter anderem in Bars oder Gastronomiebetrieben, die selbst keine Speisen zubereiten. Eine Entscheidung über die Abscheider-Pflicht obliegt dabei immer dem Amt. Diesem müssen Sie dazu vor Inbetriebnahme und vor jeder Änderung der Nutzung eine Beschreibung des Betriebs zukommen lassen.
Fettabscheider zwischen Abfluss und Kanal: Einbau
Fallen größere Mengen fetthaltiges Abwasser an, ist ein Fettabscheider Pflicht. Diesen bauen Experten zwischen Abfluss und Kanal ein. Verfügbar sind dabei frei aufstellbare Anlagen aus Kunststoff sowie Edelstahl oder Beton-Fettabscheider zum Einbau in der Erde. Welche Lösung zum Einsatz kommt, hängt von den hygienischen Anforderungen und dem Anfall an Abwasser vor dem Fettabscheider ab. Im Beitrag „Fettabscheider kaufen“ geben wir weitere Informationen und konkrete Tipps zur Auswahl.
Beruhigungsstrecke und Schlammfang vor dem Abscheider
Für die ordnungsgemäße Funktion der Anlagen kommt es auf einen fachgerechten Einbau an. Neben einem Schlammfang, der Feststoffe aus dem Abwasser abscheidet, ist dabei auch eine Beruhigungsstrecke vor dem Fettabscheider vorgeschrieben. Diese verhindert das Bilden von Turbulenzen sowie Emulsionen im Abwasserstrom und erhöht damit die Leistung der Abscheider. Üblich ist eine gerade Strecke von mindestens einem Meter, in der sich das Abwasser vor dem Fettabscheider beruhigen kann. Ist der Platz knapp, können Sie alternativ auch einen Abscheider mit integriertem Beruhigungseinlauf einsetzen. Entscheidend sind dabei die Vorgaben der Kommune.
Optional: Strom-Begleitheizung für fetthaltiges Abwasser
Kühlt sich das fetthaltige Abwasser stark ab, kann es zum Erstarren der enthaltenen Fette kommen. Die Folge wären Ablagerungen sowie Verstopfungen im Leitungsnetz. Um das zu verhindern, kann in einigen Fällen eine Begleitheizung für fetthaltiges Abwasser erforderlich sein. Typische Beispiele dafür:
- Außenliegende und erdverlegte Leitungen
- Leitungen in kalten, unbeheizten Räumen
- Lange Zulaufstrecken zum Fettabscheider
- Seltene Nutzung (z. B. Wochenbetrieb)
Die Begleitheizung für fetthaltiges Abwasser wirkt der Abkühlung auf dem Weg zum Fettabscheider entgegen. Sie ist nicht grundsätzlich vorgeschrieben, sorgt aber für einen funktionssicheren Betrieb, wie ihn einschlägige Normen fordern. Alternativ kann auch eine Dämmung helfen, die Abkühlung des Abwassers auf dem Weg zum Fettabscheider zu verhindern.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Abscheider-Thema
Abwasser gilt als fetthaltig, wenn es relevante Mengen abtrennbarer tierischer oder pflanzlicher Fette und Öle enthält. Üblich ist ein Grenzwert von rund 100 mg Fett pro Liter Abwasser. Wird dieser Wert überschritten, ist in der Regel ein Fettabscheider zwischen Abfluss und Kanal erforderlich. Maßgeblich sind dabei die kommunale Abwassersatzung oder ein Einzelbescheid.
Ein Fettabscheider ist eine Anlage zur Vorreinigung des Abwassers. Durch eine verlangsamte Strömung können sich Fette an der Oberfläche sammeln, während schwere Stoffe als Schlamm absinken. Das vorgereinigte Abwasser fließt aus der mittleren Zone weiter in den Kanal, während Fett- und Schlammrückstände im Abscheider verbleiben.
Der Fettgehalt wird rechtssicher über eine Laboranalyse bestimmt. Dabei nehmen Experten eine Abwasserprobe, die sie daraufhin mittels Lösungsmittel-Extraktion und Wägung im Labor analysieren. Das Ergebnis wird in Milligramm Fett pro Liter angegeben. Schnelltests oder Sichtprüfungen dienen nur der Orientierung und sind nicht rechtsverbindlich.
Fettabscheider müssen regelmäßig vollständig entleert und gereinigt werden, um ihre Funktion sicherzustellen. Die Häufigkeit hängt von Menge und Zusammensetzung des Abwassers ab. Technische Regeln wie die DIN 4040-100 (herausgegeben vom DIN) fordern mindestens eine monatliche Entleerung.
Eine Beruhigungsstrecke vor dem Fettabscheider ist in der Regel vorgeschrieben, da sie Turbulenzen und Emulsionen verhindert und die Abscheideleistung verbessert. Eine Begleitheizung ist dagegen nicht grundsätzlich Pflicht, kann aber sinnvoll oder notwendig sein, wenn das Abwasser stark abkühlt (z. B. bei außen liegenden oder langen Leitungen), um Fettablagerungen zu vermeiden.