Abscheideranlagen für Fette sind in vielen Bereichen der Gastronomie Pflicht. Neben kommunalen Entwässerungssatzungen regeln dabei Normen wie die DIN 4040-100 und die DIN EN 1825 wichtige Anforderungen. Sie enthalten unter anderem Vorgaben zum Aufbau, zur Auslegung und zum Betrieb. Wir geben einen Überblick und zeigen, wie Sie die richtige Nenngröße der Fettabscheider bestimmen

Regelwerk und Normen für Fettabscheider im Überblick
Fettabscheideranlagen entziehen Abwässern aus Küchen und Gastronomiebetrieben fettige Bestandteile. Auf diese Weise schützen sie die Kanalisation und erfüllen eine wichtige Funktion. Um das unter allen Umständen zu gewährleisten, müssen Fettabscheider Vorgaben aus verschiedenen Regelwerken einhalten. Die folgende Übersicht nennt die wichtigsten.
- Kommunale Entwässerungssatzungen: Hier ist die Pflicht zum Einbau von Fettabscheideranlagen üblicherweise geregelt. Die Werke verweisen auf die anerkannten Regeln der Technik und damit auf die DIN EN 1825 sowie die DIN 4040-100. Zu finden sind hier außerdem detaillierte Anforderungen an Einbau, Betrieb, Wartung sowie Nachweise.
- DIN EN 1825: Diese Norm für Fettabscheider enthält grundlegende Anforderungen sowie Begriffsdefinitionen. Sie gibt unter anderem vor, worauf bei der Bemessung der Nenngröße der Fettabscheider zu achten ist. Zudem enthält sie Vorgaben zum Aufbau, zur Prüfung und zur Kennzeichnung, wenn Sie einen Fettabscheider kaufen müssen.
- DIN 4040-100: Die nationale DIN 4040-100 ergänzt die europäische Norm 1825. Sie enthält Regelungen zu Einbau, Betrieb, Wartung, Kontrolle und Entsorgung. Relevant ist die Norm für Betreiber aber auch, weil sie Pflichten für Prüf- und Wartungsintervalle sowie Anforderungen an Dokumentation und Überwachung festlegt.
Wichtig zu wissen:
Weichen Sie von den Vorgaben ab oder missachten Sie die Fettabscheider-Pflicht, drohen empfindliche Bußgelder. Wir helfen, diese mit der richtigen Technik zu umgehen.
DIN EN 1825: Bau-, Funktions- sowie Prüfgrundsätze
Die DIN EN 1825 trägt den Namen „Abscheideranlagen für Fette“. Sie gilt als EN auch über die Grenzen Deutschlands hinweg und besteht aus zwei Teilen:
- Teil 1: Bau-, Funktions- und Prüfgrundsätze, Kennzeichnung und Güteüberwachung
- Teil 2: Wahl der Nenngröße, Einbau, Betrieb und Wartung
Beide Teile richten sich zusammen an Hersteller, Planer sowie Betreiber. Sie sorgen für eine hohe Funktionalität und letztlich dafür, dass die Belastung mit Fetten im Abwasser gering bleibt.
Teil 1 der DIN EN 1825: Wie muss die Anlage beschaffen sein?
Im ersten Teil der Norm DIN EN 1825-1:2004-12 stehen vor allem allgemeine technische Anforderungen im Fokus. Sie richtet sich im Kern an Hersteller, die Vorgaben an Aufbau, Werkstoffe und Festigkeit zu erfüllen haben. Darüber hinaus definiert die Fettabscheider Norm wichtige Begriffe. Sie gibt vor, wie die Prüfung der Anlagen zu erfolgen hat, und beschreibt grundsätzliche Anforderungen an Funktion und Größe.
Wichtig für Anwender:
Teil 1 der DIN 1825 definiert eine einheitliche Basis und stellt damit sicher, dass die eingesetzten Anlagen technisch geeignet sind.
Teil 2 der DIN EN 1825: Wie groß muss ein Fettabscheider sein?
Der zweite Teil der DIN 1825 richtet sich ganz konkret an Planer sowie Betreiber von Fettabscheidern. Denn hier geht es vor allem um die richtige Bemessung. Die Norm zeigt, wie Sie die Nenngröße der Fettabscheider richtig bestimmen. Dazu berücksichtigt sie verschiedene Abwasserspender sowie Betriebsfaktoren, wie Betriebszeiten, Stoßzeiten und Sicherheitszuschläge.
Wichtig für Anwender:
In Teil 2 der DIN 1825 geht es um die Auslegung der Fettabscheider Nenngröße. Ziel ist dabei eine Anlage, die unter den gegebenen Umständen eine hohe Leistungsfähigkeit aufweist.
DIN 4040-100: Anwendungsbestimmungen für Abscheider
Die nationale DIN 4040-100 ergänzt die DIN 1825 um konkrete Anforderungen an Einbau, Betrieb und Dokumentation. Sie regelt damit konkret, wie Sie einen Fettabscheider im Alltag nutzen müssen.
Vorgaben zum Einbau der Fettabscheideranlagen
In puncto Einbau und Betrieb geht es vor allem darum, dass Fettabscheider standsicher, frostfrei sowie gut zugänglich sind. Sie müssen über einen Schlammfang sowie eine Probenahmeeinrichtung verfügen und dürfen nur von fetthaltigem Abwasser durchflossen werden. Regen- oder Schmutzwasser sind also immer am Abscheider vorbei in die Kanalisation zu führen. Das ermöglicht den Einbau einer kleineren Nenngröße und spart Geld. Wichtig ist zudem eine fachgerechte Be- und Entlüftung, um Gerüche abzuführen und die Funktionalität der Anlage zu gewährleisten.
Wichtig zu wissen:
Die Reststoffe der Fettabscheider sind fachgerecht zu entsorgen. Um das zu ermöglichen, muss die Anlage von einem speziellen Absaug- und Reinigungsfahrzeug erreichbar sein.
Scharfe Reinigungsmittel und Überlastung vermeiden
Wichtig ist zudem, dass Sie als Nutzer keine Fettlöser, Emulgatoren oder aggressive Reiniger einleiten. Denn diese könnten die Funktion der Abscheider beeinträchtigen. Gleiches gilt bei Überlastungen, die ebenfalls zu vermeiden sind, um einen störungsfreien Betrieb sicherzustellen.
Regelmäßige Wartung und Kontrolle der Abscheider
Für einen störungsfreien Betrieb kommt es auch auf die Wartung der Anlage an. Diese ist in regelmäßigen Abständen von Fachexperten durchzuführen, um die Funktionalität zu gewährleisten. Die DIN 4040-100 fordert dabei:
- alle vier Wochen bzw. nach Bedarf eine vollständige Entleerung und Reinigung
- jährlich eine Wartung durch eine sach-/fachkundige Person
- alle 5 Jahre eine Generalinspektion
Zudem ist es ratsam, die Anlage auch selbst wöchentlich zu kontrollieren, um Schäden, Probleme und Störungen möglichst frühzeitig zu erkennen.
Betriebstagebuch und Nachweise nach DIN 4040-100
Dass Sie alle Vorgaben einhalten, dokumentieren Sie in einem Betriebstagebuch. Nach DIN 4040-100 tragen Sie hier unter anderem Entleerungen, Wartungen sowie aufgetretene Störungen ein. Auf Verlangen von Behörden sind Sie außerdem dazu verpflichtet, sämtliche Nachweise zu übermitteln.
Fettabscheider-Nenngröße bestimmen: Schritt-für-Schritt
Ein Schwerpunkt der Normen ist die Bemessung der richtigen Fettabscheider Nenngröße (kurz NG oder NS). Die Nenngröße lässt sich mit einem Zahlenwert angeben und entspricht in etwa der Leistung in Litern pro Sekunde.
Praxistipp:
Die Nenngröße der Fettabscheider sollte dem Durchfluss fetthaltiger Abwässer entsprechen. Um die Funktionalität unter allen Umständen zu gewährleisten ist es ratsam, einen Sicherheitszuschlag einzukalkulieren und den Abscheider lieber eine NG größer zu wählen.
In 5 Schritten die Nenngröße bestimmen: So klappt es
Ein Fettabscheider ist immer nur dann Pflicht, wenn fetthaltiges Abwasser in Größenordnung entsteht. Eine Entscheidung obliegt dabei dem zuständigen Amt, dem Sie in der Regel eine Betriebsbeschreibung vorlegen müssen. Ist der Einbau Pflicht, bestimmen Sie alle Entwässerungspunkte, an denen fetthaltiges Abwasser anfällt. Regen- und Schmutzwasser ohne Fette dürfen nicht über den Abscheider laufen.
In Schritt zwei folgt die Bestimmung der Spitzenabwassermenge, um die Fettabscheider Nenngröße wählen zu können. Hierzu gibt die DIN EN 1825 zwei Verfahren vor:
Verfahren A: Bemessung über Entwässerungsgegenstände
Hier listen Sie zunächst alle Entwässerungsgegenstände/-punkte auf, die über den Fettabscheider laufen. Dazu gehören unter anderem Spülen, Kippbratpfannen sowie Spülmaschinen. Anschließend ordnen Sie jedem Punkt einen Abflusskennwert zu und multiplizieren das Ergebnis mit einem Gleichzeitigkeitsfaktor. Letzterer berücksichtigt, dass nicht über alle Entwässerungspunkte gleichzeitig Abwasser in die Kanalisation abfließt.
Verfahren B: Bemessung über Betriebsart oder Mahlzeiten
Hier bestimmen Sie zunächst die täglich anfallende Menge an Abwasser, die über den Fettabscheider geführt wird. Auf dieser Basis ermitteln Sie den Spitzenabfluss Qs nach Vorgaben der DIN EN 1825, um später die Fettabscheider Nenngröße auswählen zu können.
Um den Fettabscheider richtig auslegen und die Nenngröße festlegen zu können, sind nach DIN EN 1825 weitere Faktoren zu berücksichtigen. Im Wesentlichen geht es dabei um die Temperatur (ft), die Fettdichte (fd) sowie den Einfluss von Spül- oder Reinigungsmitteln (fr). Um diese verrechnen zu können, gibt die Norm entsprechende Kennzahlen vor, die Sie abhängig von den örtlichen Gegebenheiten auswählen und in die Gleichung „NS = Qs x ft x fd x fr“ einsetzen.
Im nächsten Schritt legen Sie die Nenngröße des Fettabscheiders fest. Der NG- oder NS-Wert liegt dabei in der Regel eine Größe über dem berechneten Spitzendurchfluss Qs. Auf diese Weise bleibt ein ausreichend großer Puffer und die Anlage scheidet Fett unter allen Umständen zuverlässig ab. Ein Beispiel: Ermitteln Sie in Schritt 3 einen Qs von 3,1 l/s empfiehlt sich ein Fettabscheider NG 4 bzw. NS 4.
Steht fest, welche Nenngröße Sie wählen, geht es um die Auslegung des Schlammfangs. Dieser sitzt vor dem Abscheider, um Schwebstoffe herauszulösen und die Abscheideranlagen selbst zu entlasten. Möglich ist auch das durch einen großen Behälter, den das Abwasser mit geringer Geschwindigkeit durchströmt. Die Größe entspricht dabei in der Regel dem 100-Fachen der Fettabscheider Nenngröße (Vs = NS * 100 [in Liter]). Sind sehr viele Feststoffe im Abwasser, empfiehlt sich hingegen das 200-Fache der Abscheider-Nenngröße.
Wichtig zu wissen: Strömt Abwasser mit stark faulenden Sinkstoffen in den Abscheider ein, ist kein Schlammfang nötig. In diesem Fall empfiehlt es sich, eine Filteranlage oder einen Filterkorb vor dem Fettabscheider zu installieren. Typisch ist das etwa bei Anlagen in der Fischindustrie.
Unser Tipp:
Wir empfehlen, die Berechnung von einem Fachexperten durchführen zu lassen. Unterstützung bekommen Sie dabei von Großküchenplanern, Fachplanern für Gebäudetechnik, Fachhandwerkern sowie Herstellern der Fettabscheider. Vordrucke für die Berechnung bekommen Sie in der Regel vom zuständigen Amt in Ihrer Gemeinde. Hier ein Muster zur Bemessung der Fettabscheider Nenngröße gemäß EN 1825-2/DIN 4040-100.
Richtwerte für die Nenngröße (NG/NS) von Fettabscheidern
Die Nenngröße eines Fettabscheiders hängt immer von den örtlichen Gegebenheiten ab. Da sich diese bei Anlagen verschiedener Art ähneln, lassen sich überschlägig einige Werte nennen. Nachzulesen sind diese in der folgenden Tabelle.
Die Nenngröße eines Fettabscheiders hängt immer von den örtlichen Gegebenheiten ab. Da sich diese bei Anlagen verschiedener Art ähneln, lassen sich überschlägig einige Werte nennen. Nachzulesen sind diese in der folgenden Tabelle.
| Nenngröße (NS) | Abwassermenge (ca.) | Einsatzbeispiel |
|---|---|---|
| NS 1 | ca. 1 l/s | Kleiner Imbiss, Café, sehr kleine Küche |
| NS 2 | ca. 2 l/s | Bistro, Foodtruck, kleine Restaurantküche |
| NS 3 | ca. 3 l/s | Restaurant mit ~40–60 Essen/Tag |
| NS 4 | ca. 4 l/s | Mittelgroßes Restaurant, Kantine |
| NS 5 | ca. 5 l/s | Hotelküche, Betriebskantine |
| NS 6 | ca. 6 l/s | Großküche, Schul- oder Krankenhausküche |
| NS 7 | ca. 7 l/s | Große Kantine mit mehreren Spülplätzen |
| NS 8 | ca. 8 l/s | Industrieküche, Cateringbetrieb |
| NS 9 | ca. 9 l/s | Zentrale Versorgungsküche |
| NS 10 | ca. 10 l/s | Sehr große Großküche / Industrie |
FAQ: Häufig gestellte Fragen und Antworten zu Fettabscheider Normen
Ein Fettabscheider ist erforderlich, sobald in Küchen oder gastronomischen Betrieben fetthaltiges Abwasser in relevanter Menge anfällt. Die Pflicht ergibt sich in der Regel aus kommunalen Entwässerungssatzungen, die auf die anerkannten Regeln der Technik und damit auf DIN EN 1825 und DIN 4040-100 verweisen.
Die DIN EN 1825 legt europaweit fest, wie Fettabscheider aufgebaut sein müssen und wie ihre Nenngröße zu bemessen ist, während die DIN 4040-100 diese Vorgaben national ergänzt und konkrete Anforderungen an Einbau, Betrieb, Wartung und Dokumentation definiert. Zusammen bilden sie die maßgebliche Grundlage für Planung und Betrieb.
Die Nenngröße wird nach DIN EN 1825-2 auf Basis des maximalen Abwasseranfalls (Qs) ermittelt, der sich aus angeschlossenen Küchengeräten oder der Betriebsart ergibt. Zusätzlich werden Korrekturfaktoren wie Temperatur, Fettdichte und Reinigungsmittel berücksichtigt, bevor auf die nächstgrößere genormte Nenngröße aufgerundet wird.
Betreiber müssen den Fettabscheider regelmäßig entleeren, warten und kontrollieren sowie alle Maßnahmen in einem Betriebstagebuch dokumentieren. Nach DIN 4040-100 sind eine monatliche Eigenkontrolle, eine jährliche Wartung, eine Generalinspektion alle fünf Jahre und eine vollständige Entleerung in der Regel alle vier Wochen vorgesehen, wobei Behörden strengere Vorgaben machen können.