Öl im Abwasser führt zu Bußgeldern bis zu 50.000 € und schädigt Gewässer. Ein Ölabscheider filtert Öl zuverlässig heraus – und schützt so Umwelt und Betrieb. Zum Einsatz kommen die Anlagen dabei immer dann, wenn ölhaltiges Abwasser anfällt. Typische Beispiele sind Gewerbebetriebe, Werkstätten oder Waschplätze. Wir erklären, wie ein Abwasser-Ölabscheider funktioniert, welche Arten es gibt und wann Sie welchen Abscheider einbauen müssen.

Die Themen im Überblick:
Auf einen Blick: Die wichtigsten Informationen zur Technik
- Ölabscheider trennen Leichtflüssigkeiten wie Öl und Benzin zuverlässig vom Abwasser.
- Es gibt unter anderem Schwerkraft- und Koaleszenzabscheider – letztere entfernen auch feinste Öltröpfchen.
- Einsatz ist häufig gesetzlich vorgeschrieben (z. B. in Werkstätten, Industrie oder Waschplätzen).
- Wartung und regelmäßige Entleerung sind Pflicht für einen sicheren Betrieb.
- Planung, Einbau und Betrieb unterliegen gesetzlichen Vorgaben (u. a. DIN EN 858, WHG).
Abwasser-Ölabscheider: Funktionsweise, Aufbau und Arten
Ölabscheider für Abwasser sind Teil der Wasseraufbereitung. Sie kommen zwischen Anfallstelle sowie Kanalisation zum Einsatz und sollen Leichtflüssigkeiten zurückhalten. Möglich ist das mit einem großen Behälter. Durch diesen fließt das Abwasser nur sehr langsam, wobei sich schwere Partikel nach unten und leichte nach oben absetzen. Da Öl im Vergleich zum Abwasser eine geringere Dichte hat, steigt es im Abscheider auf. Das Abwasser fließt ab und erreicht vorgereinigt die Kläranlage. Wie das im Detail funktioniert, zeigt das folgende Video.
Schwerkraft- und Koaleszenzabscheider für Leichtflüssigkeiten
Abhängig von der Beschaffenheit des Abwassers kommen entweder Schwerkraftabscheider oder Ölabscheider mit Koaleszenzfilter zum Einsatz. Während erstere wie oben beschrieben funktionieren, arbeiten Koaleszenzabscheider effektiver. Dazu leiten sie das ölhaltige Abwasser durch Filterelemente aus feinen Fasern oder Lamellen. An diesen verfangen sich selbst feinste Öltröpfchen. Sie verbinden sich zu größeren Tropfen (Koaleszenz) und steigen wie im Schwerkraftabscheider nach oben.
Die folgende Tabelle zeigt, worin die Unterschiede liegen, was die verschiedenen Ölabscheider auszeichnet und wann sie jeweils zum Einsatz kommen.
| Kriterium | Schwerkraftabscheider | Koaleszenzabscheider |
|---|---|---|
| Funktion | Nutzt die Dichteunterschiede: Öl steigt auf, Wasser bleibt in der Mitte, Feststoffe sinken. | Filtert feinste Öltröpfchen durch Koaleszenz (Zusammenführen zu größeren Tropfen), die dann aufsteigen. |
| Vorteile | Einfach, robust, wartungsarm; geeignet für grobe Öl- und Feststoffabscheidung. | Höhere Reinigungsleistung; entfernt auch feinste Öltröpfchen; kompakt. |
| Einsatzbereiche | Werkstätten, Tankstellen, Industrie (grobe Öl- und Feststoffbelastung). | Industrie, Gastronomie, chemische Betriebe (feine Öl- und Fettbelastung). |
Die Übersicht zeigt: Während Schwerkraftabscheider in Bereichen mit geringeren Anforderungen zum Einsatz kommen, eignen sich Koaleszenzabscheider für anspruchsvollere Aufgaben. Sie kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn Öl in Emulsionen vorliegt (gebunden an Wasser oder andere Stoffe).
Übrigens:
Neben den beiden hier vorgestellten Arten von Abscheidern gibt es auch Wirbelabscheider. Hier fließt das Abwasser tangential, was zu einer Trennung der verschiedenen Bestandteile führt. Möglich ist das durch die unterschiedliche Trägheit dieser.
Schlammfang und Probenahme gehören zum Ölabscheider
Neben dem Abscheider selbst, gehören auch weitere Komponenten zu einer Anlage zur Wasseraufbereitung. In Fließrichtung vor dem Ölabscheider befindet sich dabei in der Regel ein Schlammfang. Dieser lässt Schwebstoffe absinken, um den Leichtflüssigkeitsabscheider zu entlasten. Nach letzterem findet sich in der Regel noch eine Probenahmeöffnung, über die Fachleute die Wasserqualität prüfen können.
Wichtig zu wissen:
Führen Sie verschiedene Abwasserstränge zusammen, ist das immer erst nach der Probenahme möglich. Anders lässt sich die Funktion des Ölabscheiders nicht zuverlässig kontrollieren.
Optional: Abscheideanlage mit einer Hebeanlage kombinieren
Besteht die Gefahr eines Rückstaus, sodass zurückdrückendes Abwasser ölhaltige Medien ausspült? Dann ist auch eine Hebeanlage zu empfehlen. Diese sammelt das Abwasser nach der Probenahmeöffnung, um es dann über die Rückstauebene zur Kanalisation zu pumpen. Nötig ist das vor allem dann, wenn der Abscheider unter der Rückstauhöhe sitzt.
Einsatzfelder der Abscheider für Leichtflüssigkeiten wie Öl
Abwasser-Ölabscheider kommen heute in vielen Bereichen zum Einsatz und sind häufig sogar Pflicht. So zum Beispiel in folgenden Anlagen:
- Kfz-Werkstätten: Autowerkstätten, Reifenwechsel, Fahrzeugaufbereitung, Lackierereien.
- Tankstellen: Waschplätze, Betankungsbereiche, Werkstatthöfe.
- Industrie: Metallverarbeitung, Maschinenbau, chemische Industrie, Lackierbetriebe.
- Gastronomie: Großküchen, Imbisse, Fast-Food-Restaurants (Fettabscheider für Speiseöle)
- Logistik/Transport: Speditionshöfe, Busdepots, Lkw-Waschanlagen.
- Parkhäuser/Tiefgaragen: Bei Risiko von Öl- oder Kraftstoffaustritt (z. B. durch Leckagen).
- Landwirtschaft: Betriebe mit Treibstofflagern oder Maschinenreinigung.
Wichtig zu wissen:
Die grundlegende Pflicht zum Einbau eines Ölabscheiders ist im Wasserhaushaltsgesetz (WHG) geregelt. Konkrete Grenzwerte und Anforderungen ergeben sich darüber hinaus aus örtlichen Satzungen, der Abwasserverordnung (AbwV) sowie der DIN EN 858.
Ölabscheider anmelden: Voraussetzung für den Betrieb der Technik
Da es bei der Installation der Abscheider um Anlagen zur Behandlung ölhaltiger Medien geht, sind hohe technische Voraussetzungen zu erfüllen. Um nachzuweisen, dass Anlagenbetreiber diese einhalten, müssen Sie die Technik bei der unteren Wasserbehörde anmelden. Im laufenden Betrieb kann es dann zu unangekündigten Kontrollen kommen. Ein Umstand, durch den sich die fachgerechte Planung und Installation der Anlagen lohnt.
Achten Sie hier unbedingt auf die Einhaltung geltender Grenzwerte. Diese finden sich unter anderem in der DIN EN 858, in der Abwasserverordnung (AbwV) sowie in kommunalen Satzungen. Leiten Sie Abwasser indirekt in die Kanalisation ein, gelten häufig Grenzwerte von 5 bis 20 mg/l. Bei der direkten Einleitung in Gewässer sind die Anforderungen strenger – hier darf das Abwasser in der Regel nicht mehr als 5 mg/l Öl enthalten.
Unser Tipp::
Besprechen Sie das Vorhaben mit dem zuständigen Amt, bevor Sie den Ölabscheider kaufen. Sie erfahren dabei die geltenden Grenzwerte und können die Anlage passgenau dimensionieren.
Regelmäßige Wartung für zuverlässigen Betrieb der Technik
Sammelt sich das Öl im Abscheider, füllt sich dieser mit der Zeit. Ein Schwimmer (optional, empfohlen) registriert das und alarmiert den Betreiber, das gesammelte Öl rechtzeitig absaugen zu lassen. Im gleichen Zuge reinigen Experten den Ölabscheider. Sie führen eine Sichtprüfung durch und nehmen die Anlage abschließend wieder in Betrieb. Nach Abschluss der – und Wartungsarbeiten dokumentieren sie das im Wartungsheft – ein wichtiges Dokument zur Vorlage bei Herstellern, Versicherern oder Ämtern, das die planmäßige Durchführung aller Wartungsarbeiten belegt.
Übrigens:
Der aktuelle Öl- und Schlammstand lässt sich mit einer Wassernachweispaste für Ölabscheider einfach prüfen. Schmieren Sie damit eine Stange ein, die Sie dann bis auf den Grund des Abscheiders halten. Nach etwa 30 bis 60 Sekunden ziehen Sie die Stange wieder heraus. Da sich die Wassernachweispaste bei Kontakt mit Wasser verfärbt, können Sie den Wasser- und den Ölstand auf diese Weise einfach ablesen.
Ölabscheider für Abwasser auslegen und kaufen: Top-Tipps
Fällt in Ihrem Betrieb ölhaltiges Abwasser an, ist ein Ölabscheider zur Wasseraufbereitung meist Pflicht. Konkret erfahren Sie das bei der unteren Wasserbehörde, bei der Sie den Abscheider auch beantragen und anmelden lassen. Damit die Anlage zuverlässig funktioniert, sind einige Punkte zu beachten. Die folgende Übersicht zeigt, welche das sind:
- Fachgerechte Auslegung der Ölabscheider: Grundsätzlich muss der Abscheider zu Ihrer Anlage passen. Art und Größe sind dazu entsprechend den örtlichen Gegebenheiten auszulegen. Zu den wichtigsten Einflussgrößen gehören die Wassermenge und die Wasserzusammensetzung. Wie Sie bei der Auslegung richtig vorgehen, erklären wir im Beitrag „Ölabscheider bemessen“. Hier finden Sie auch einen kostenfreien Rechner für eine überschlägige Ermittlung der Nenngröße.
- Die passenden Komponenten auswählen: Hersteller bieten Ölabscheider mit Schlammfang, Koaleszenzfilter und Probenahmestelle heute in der Regel modular an. So ist es möglich, für jeden Einsatz die passende Anlage zusammenzustellen. Schlammfang und Probenahmestelle gehören dabei fast immer zur Grundausstattung. Zudem stehen Schwimmerschalter, Warnanlagen sowie Abwasserhebeanlagen zur Verfügung. Welche Komponenten konkret zum Einsatz kommen, richtet sich nach den örtlichen Gegebenheiten und den Vorgaben des zuständigen Amts.
- Fachgerechter Einbau und Wartung: Wenn Sie einen Ölabscheider kaufen, sollten nur erfahrene Fachhandwerker diesen auch einbauen und in Betrieb nehmen. Sie kümmern sich außerdem um die wiederkehrende Wartung. Sinnvoll ist es dabei, einen Wartungsvertrag für mehrere Jahre abzuschließen. Das entlastet Sie in der täglichen Arbeit und spart zudem oft auch Geld. Denn Fachbetriebe honorieren die langfristige Beauftragung mit besseren Konditionen. Möchten Sie den Abscheider stilllegen, benötigen Sie ebenfallas zugelassene Fachleute.
FAQ: Häufige Fragen zu Abscheidern zur Wasseraufbereitung
Die Kosten hängen von Größe, Bauart und Ausstattung ab. Kleine Anlagen beginnen bei etwa 2.000 bis 5.000 Euro. Größere oder komplexe Systeme (z. B. mit Koaleszenzfilter und Warntechnik) können 10.000 Euro oder mehr kosten – zuzüglich Einbau und Wartung.
Ja, in vielen Fällen. Sobald ölhaltiges Abwasser anfällt, ist ein Abscheider gesetzlich vorgeschrieben. Grundlage sind das Wasserhaushaltsgesetz (WHG), die Abwasserverordnung sowie die DIN EN 858 und lokale Vorschriften.
Eine Sichtkontrolle sollte monatlich erfolgen. Die Generalinspektion ist in der Regel alle 5 Jahre vorgeschrieben. Die Entleerung und Reinigung erfolgen je nach Nutzung – oft alle 6 Monate oder bei Bedarf früher.
Ein Koaleszenzabscheider ist notwendig, wenn feine Öltröpfchen oder Emulsionen im Abwasser enthalten sind. Das ist häufig in Industrieanlagen, Waschplätzen oder chemischen Betrieben der Fall.
Schwerkraftabscheider eignen sich bei groben Ölverunreinigungen ohne stabile Emulsionen, etwa in klassischen Werkstätten oder Tankstellenbereichen. Geht es um die Behandlung von ölhaltigem Regenwasser, kommen zum Teil auch Wirbelabscheider zum Einsatz. Diese sind einfach aufgebaut und richtig eingesetzt auch effektiv.
Typische Bestandteile sind Schlammfang, Ölabscheider, Probenahmestelle sowie optional Warnanlage, Koaleszenzeinsatz oder Hebeanlage.
Einbau und Wartung dürfen nur durch fachkundige Betriebe erfolgen. Diese sorgen auch für die Dokumentation im Betriebstagebuch und die Einhaltung aller Vorschriften. Eine regelmäßige Sichtkontrolle sollten Sie darüber hinaus auch selbst durchführen, um Probleme und Störungen möglichst schnell zu erkennen.