Benötigen Sie eine Fettabscheideranlage, kommt es auf die richtige Größe an. Diese richtet sich nach der Menge an fetthaltigem Abwasser und ist individuell zu bestimmen. Doch wie lässt sich ein Fettabscheider berechnen? Worauf kommt es bei der Auslegung an und wie findet man die passende Nenngröße? Wir geben eine Schritt-für-Schritt-Anleitung und stellen Ihnen einen gratis Fettabscheider-Rechner zur Verfügung.

Die Themen im Überblick:
Die wichtigsten Informationen zum Thema:
Die richtige Dimensionierung eines Fettabscheiders ist entscheidend für einen sicheren, normgerechten und wirtschaftlichen Betrieb.
- Grundlage ist der Spitzendurchfluss des fetthaltigen Abwassers, ermittelt über Entwässerungsstellen, Mahlzeiten oder Messung.
- Die berechnete Abwassermenge wird mit Korrekturfaktoren für Fettart, Abwassertemperatur und Reinigungsmittel angepasst.
- Maßgeblich für Planung und Auslegung sind die DIN EN 1825, DIN 4040-100 sowie kommunale Entwässerungssatzungen.
Ein Online-Rechner eignet sich für die Vorplanung, ersetzt jedoch nicht die abschließende Prüfung durch einen Fachplaner oder Experten.
Diese Faktoren beeinflussen die Fettabscheider-Dimensionierung
Fettabscheideranlagen entfernen Fette und Schwebstoffe aus fetthaltigem Abwasser. Sie kommen vor allem in der Gastronomie sowie in der lebensmittelverarbeitenden Industrie zum Einsatz und schützen Abwasseranlagen sowie die Umwelt. Damit das unter allen Umständen sichergestellt ist, kommt es auf die Berechnung der passenden Fettabscheider-Größe an. Doch diese hängt von zahlreichen Faktoren ab.
Die folgende Übersicht stellt die wichtigsten zusammen:
- Abwassermenge: Die maximal gleichzeitig anfallende Abwassermenge bestimmt die erforderliche Nenngröße des Fettabscheiders.
- Betrieb und Nutzung: Die Art und die Intensität des Küchen- oder Produktionsbetriebs beeinflussen die Menge und die Zusammensetzung der fetthaltigen Abwässer.
- Fett- und Ölbelastung: Je höher der Anteil an Fetten und Ölen im Abwasser ist, desto größer müssen Sie den Fettabscheider dimensionieren.
- Abwassertemperatur: Hohe Abwassertemperaturen verzögern die Abscheidung von Fetten und erfordern eine entsprechende Berücksichtigung bei der Auslegung.
- Reinigungs-/Spülmittel: Emulgierende oder fettlösende Reinigungsmittel erschweren die Fettabscheidung und erfordern in der Regel einen größeren Abscheider.
- Feststoffe im Abwasser: Mitgeführte Speisereste und Feststoffe beeinflussen die Größe des Schlammfangs und die Wartungsintervalle des Fettabscheiders.
Grundsätzlich richten sich die Auswahl und die Berechnung der Fettabscheider nach Vorgaben der DIN 4040-100, der DIN EN 1825 und kommunalen Abwassersatzungen. Letztere geben dabei in aller Regel vor, wie hoch der Fettgehalt nach dem Abscheider sein darf.
Fettabscheider berechnen: Schritt für Schritt zur richtigen Größe
Geht es um die Berechnung der Fettabscheider Größe, kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz. So können Sie neben der Berechnung des Spitzendurchflusses über die Anzahl der Entwässerungsstellen auch die Anzahl der Mahlzeiten heranziehen. Alternativ ist es möglich, den Spitzenwert zu messen. Letzteres liefert die sichersten Ergebnisse, ist allerdings nur bei einer bestehenden Anlage möglich.
Im Folgenden erklären wir Schritt für Schritt, wie Sie den Fettabscheider ohne Messung richtig berechnen.
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Entwässerungsstellen erfassen und dokumentieren
Im ersten Schritt erfassen Sie alle Entwässerungsstellen, die später über die Fettabscheideranlage laufen. Um die Leistung auf ein Minimum zu reduzieren, wählen Sie dabei nur die Abflüsse, an denen auch fetthaltiges Abwasser anfällt. Dazu gehören etwa Spülen, Kippbratpfanne/Kochkessel über Ausgüssen sowie Bodenabläufe im Küchenbereich und Geschirrspüler. Normale Handwaschbecken und Toiletten sind hingegen nicht relevant, diese müssen Sie am Abscheider vorbei in die Kanalisation einleiten.
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Spitzendurchfluss Qs der Entwässerung bestimmen
Stehen alle relevanten Entwässerungsstellen fest, geht es um die Berechnung des Spitzendurchflusses Qs. Dazu setzen Sie für jeden Abfluss einen entsprechenden Abfluss-/Volumenstrom an. Anschließend addieren Sie die Ergebnisse und multiplizieren mit einem Gleichzeitigkeitsfaktor. Der Faktor berücksichtigt, dass nicht alle Abflüsse zur gleichen Zeit fetthaltiges Abwasser einleiten. Die Leistung lässt sich reduzieren und die Kosten der Abscheider sinken.
Unser Tipp: Die Abflusswerte hängen von der Art der Entwässerungsstelle ab. Neben Produktdaten können Sie dabei Richtwerte, Erfahrungswerte sowie Tabellenwerte heranziehen. Üblich sind etwa 0,5 bis 1,0 l/s für Hand-/Spültische oder 0,5 bis 1,5 l/s für Bodenabläufe in der Küche. Bei Spülmaschinen und anderen Geräten finden Sie die Zahlen in den Produktunterlagen oder auf Rückfrage beim Hersteller.
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Den Fettabscheider über die Mahlzeiten berechnen
Für die Vorplanung oder einen Plausibilitätscheck können Sie den Spitzendurchfluss auch anhand der Mahlzeiten berechnen. Dazu ermitteln Sie, wie viele Mahlzeiten am Tag anfallen, und berechnen den Anteil in der Spitzenzeit (zum Beispiel beim Mittagstisch). Diesen Wert multiplizieren Sie daraufhin mit dem Volumenstrom pro Mahlzeit. Letzterer hängt von der Einrichtung ab. Die folgende Übersicht zeigt einige Richtwerte:
- Hotelküche: 100 l/Portion
- Spezialitätenrestaurant: 50 l/Portion
- Krankenhaus: 20 l/Portion
- Großküche (24 h): 10 l/Portion
- Werksküche/Mensa: 5 l/Portion
Das Ergebnis dividieren Sie anschließend durch die Dauer des Zeitabschnitts (zum Beispiel zwei Stunden Mittagsgeschäft), um den Fettabscheider richtig zu berechnen.
Ein Beispiel: In einem Restaurant fallen täglich 300 Portionen Essen an – 70 Prozent davon in der Mittagszeit von 12:00 bis 14:00 Uhr. Sie multiplizieren nun 300 Essen mit 70 Prozent sowie 50 Liter pro Portion und dividieren das Ergebnis durch zwei Stunden. Das ergibt einen Abflussvolumenstrom von 5.250 Litern pro Stunde bzw. 1,45 Litern pro Sekunde (5.250 l/h / 3600 s/h).
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Korrekturfaktoren zur Berechnung von NS bestimmen
Um die richtige Fettabscheider-Größe berechnen zu können, müssen Sie den Spitzendurchfluss nun korrigieren. Möglich ist das mit verschiedenen Faktoren, welche die Art der Fette, die Temperatur des Abwassers und den Einsatz von Spül- sowie Reinigungsmitteln berücksichtigen. Konkret geht es dabei um folgende Korrekturfaktoren:
- Reinigungsmittelfaktor fr: 1,0 ohne Reinigungsmittel; 1,3 bei Reinigungsmitteln; ≥ 1,5 bei aggressiveren Reinigungsmitteln wie im Krankenhaus
- Dichtefaktor fd: 1,0 bei Fett-Dichte bis 0,94 g/cm³ (leichtere tierisch sowie normale Küchenfette); 1,5 über 0,94 g/cm3 (schwere pflanzliche Öle und Emulsionen)
- Temperaturfaktor ft: 1,0 bis 60 °C; 1,3 über 60 °C
Unser Tipp: Für Unsicherheit sorgt hier häufig der Dichtefaktor. Dieser ist in 80 Prozent aller Fälle mit 1,0 anzusetzen. Nur in stark vegetarisch/vegan ausgerichteten Küchen, in Frittierbetrieben mit großen Ölvolumen und in der Industrie kommt der höhere Wert zur Anwendung. Er berücksichtigt, dass schwere Fette aufwendiger abzuscheiden sind und der Fettabscheider größer zu dimensionieren ist.
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Fettabscheider berechnen und Ergebnis aufrunden
Im nächsten Schritt ist die Fettabscheider Nenngröße zu berechnen. Dazu multiplizieren Sie den Spitzendurchfluss mit den in Schritt 3 definierten Korrekturfaktoren. Das Ergebnis runden Sie dann auf, um den passenden Abscheider zu finden. Zur Anwendung kommt dabei die folgende Gleichung:
- Nenngröße (NS) = Spitzendurchfluss (Qs) x Dichtefaktor (fd) x Temperaturfaktor (ft) x Reinigungsmittelfaktor (fr) [in l/s]
Mit diesem Wert können Sie einen Abscheider auswählen. Üblicherweise nehmen Sie dabei die nächstgrößere Nenngröße, um eine Unterdimensionierung zu vermeiden.
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Erforderlichen Schlammfang zum Fettabscheider berechnen
In aller Regel ist der Abscheider mit einem Schlammfang zu kombinieren, um auch feste Schwebstoffe aus dem Abwasser herauslösen zu können. Die Größe dieses Bauteils richtet sich dabei nach der Abscheidergröße. Je nach Einsatzbereich ist Letztere dabei mit 100 bzw. 200 zu multiplizieren. Die folgende Übersicht zeigt, wie Sie dabei vorgehen:
- Schlammfang = NS x 100 l in typischen Küchensituationen
- Schlammfang = NS x 200 l bei höherer Feststoff-/Schmutzfracht (etwa in der Industrie)
Handelt es sich um eine normale Küche und Sie ermitteln eine Nenngröße von 2 l/s, benötigen Sie also einen mindestens 200 Liter fassenden Schlammfang.
Online-Rechner: Einfach die Abscheider-Nenngröße berechnen
Während der vorangegangene Abschnitt die Fettabscheider-Dimensionierung in der Theorie erklärt hat, ermöglicht der folgende Rechner eine einfache Auslegung. Wählen Sie dazu einfach die vorhandenen Entwässerungsstellen. Beantworten Sie die Fragen zum Einsatz und berechnen Sie die benötigte Fettabscheider-Größe.
Fettabscheider-Rechner
Bemessung nach Entwässerungsstellen inkl. Gleichzeitigkeitsfaktor (Planungshilfe)
1) Entwässerungsstellen
| Entwässerungsstelle | Anzahl | Abfluss (l/s) | Teil-Q (l/s) |
|---|
1a) Gleichzeitigkeitsfaktor
2) Einsatz – 4 kurze Fragen
3) Faktoren (automatisch, aber änderbar)
4) Ergebnis
Wichtig zu wissen: Der Rechner ermöglicht eine grobe Vorplanung der Anlage. Wir empfehlen, diese von einem Fachplaner, Fachhandwerker oder Hersteller prüfen zu lassen, um eine optimal funktionierende und zulässige Anlage zu bekommen. Das ist nötig, da sich mit einem kostenfreien Fettabscheider-Rechner nicht immer alle individuellen Einflussgrößen umfassend berücksichtigen lassen. Zudem können die örtlichen Vorgaben abweichen. Ob das der Fall ist, geht aus der kommunalen Entwässerungssatzung hervor.
FAQ: Häufig gestellte Fragen und Antworten zum Thema
Die Fettabscheider-Größe wird auf Basis der maximal gleichzeitig anfallenden Abwassermenge ermittelt. Dazu berechnet man den Spitzendurchfluss entweder über die angeschlossenen Entwässerungsstellen, über die Anzahl der Mahlzeiten oder durch eine Messung im Bestand. Dieser Wert wird anschließend mit Korrekturfaktoren für Fettart, Abwassertemperatur und Reinigungsmittel angepasst. Das Ergebnis ist die Nenngröße des Fettabscheiders, die auf eine passende Standardgröße aufgerundet wird.
Entscheidend sind vor allem die Abwassermenge, die Art des Betriebs und die Fett- bzw. Ölbelastung. Zusätzlich beeinflussen die Abwassertemperatur, der Einsatz von Reinigungs- und Spülmitteln sowie der Anteil an Feststoffen im Abwasser die erforderliche Größe des Fettabscheiders und des Schlammfangs.
Die Berechnung über Entwässerungsstellen ist der Standard, wenn die Küchenausstattung bekannt ist. Die Berechnung über Mahlzeiten eignet sich für die Vorplanung oder als Plausibilitätsprüfung. Eine Messung des Spitzendurchflusses liefert die genauesten Ergebnisse, ist jedoch nur bei bestehenden Anlagen möglich.
Grundlage für die Auslegung sind die DIN EN 1825 und die DIN 4040-100. Zusätzlich gelten die kommunalen Entwässerungssatzungen, die unter anderem den zulässigen Fettgehalt im Ablauf festlegen. Regionale Abweichungen sind möglich und sollten immer geprüft werden.
Eine überschlägige Berechnung oder ein Online-Rechner dient der Vorplanung, ersetzt jedoch keine fachliche Prüfung. Ein Experte stellt sicher, dass alle normativen Vorgaben eingehalten werden und die Anlage betriebssicher, wirtschaftlich und zulässig ausgelegt ist