Ölabscheider nach DIN 1999-100 & EN 858: Normgerechte Benzinabscheider

Autor: Johannes Partz / ✅ Aktualisiert am: 27.05.2026

Benötigen Sie einen Ölabscheider, spielen die Normen DIN 1999 Teil 100 sowie DIN EN 858 eine wichtige Rolle. Denn diese enthalten die wichtigsten Anforderungen an die Ausführung, die Planung und den Betrieb der Öl- und Benzinabscheider. Wir geben einen Überblick und erklären, worauf bei der Auswahl zu achten ist.

Ölabscheider nach DIN 1999 an einer Tankstelle

Die wichtigsten Informationen auf einen Blick:

  • Normenrahmen: DIN EN 858 (EU-weit) und DIN 1999-100/101 (national) regeln Bau, Planung, Betrieb und Wartung von Ölabscheidern für wassergefährdende Stoffe wie Benzin und Öl – verbindlich nach WHG und AwSV.
  • Klassenunterschiede: Abscheider müssen nach Klasse I (Restöl ≤ 5 mg/l) oder Klasse II (Restöl ≤ 100 mg/l) zertifiziert sein – je nach Belastung.
  • Betreiberpflichten: Anmeldung bei der Wasserbehörde, mindestens jährliche Wartung, Dokumentation im Betreiberbuch und Generalinspektion alle 5 Jahre.
  • Einbauvorgaben: Frostfreie, zugängliche Position vor der Kanalisation, mit Überlaufsicherung und ggf. Leckage-Erkennung (AwSV).
  • Praxistipp: Fachplaner oder Handwerker für normgerechte Auslegung und Einbau hinzuziehen – so vermeiden Sie Bußgelder von bis zu 50.000 €.

Normung der Benzin- und Ölabscheider mit DIN 1999 und DIN EN 858

Bei Benzin- und Ölabscheidern handelt es sich um Anlagen zur Behandlung wassergefährdender Stoffe. Um die Umwelt zu schützen, dürfen diese unter keinen Umständen in das Erdreich eintreten. Ein Grund, aus dem bei Planung, Bau und Betrieb der Abscheider hohe Vorgaben zu erfüllen sind. So fordern es unter anderem das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) und die Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV).

DIN 1999 und DIN EN 858 enthalten die wichtigsten Anforderungen

Um die technischen Anforderungen zu erfüllen, dürfen Sie hierzulande nur Benzin- und Ölabscheider nach DIN 1999 Teil 100 oder 101 sowie DIN EN 858 einbauen. Während die zuletzt genannte Norm in ganz Europa geltende Vorgaben an Bau, Planung sowie Betrieb der Abscheider enthält, liefert die DIN 1999 mit den Teilen 100 und 101 eine nationale Ergänzung. Letztere ist wichtig, um die Besonderheiten des hiesigen Marktes vollumfänglich zu berücksichtigen. Die folgende Grafik gibt einen ersten Überblick:

Normen für Ölabscheider in der Infografik

Normen für Ölabscheider und die wichtigsten Inhalte im Überblick

Die folgende Übersicht zeigt, worum es in den einzelnen Teilen der DIN 1999 und der DIN EN 858 für Benzin- und Ölabscheider geht:

  • DIN EN 858 – Abscheideranlagen für Leichtflüssigkeiten (z. B. Öl und Benzin)
    • Teil 1: Bau-, Funktions- und Prüfgrundsätze, Kennzeichnung und Güteüberwachung (Ausgabe 2005-02)
    • Teil 2: Wahl der Nenngröße, Einbau, Betrieb und Wartung (Ausgabe 2003-10)
  • DIN 1999 – Abscheideranlagen für Leichtflüssigkeiten 
    • Teil 100: Anwendungsbestimmungen für Abscheideranlagen für Leichtflüssigkeiten nach DIN EN 858-1 und DIN EN 858-2 (Ausgabe 2016-12)
    • Teil 101: Zusätzliche Anforderungen an Abscheideranlagen nach DIN EN 858-1, DIN EN 858-2 und DIN 1999-100 für Leichtflüssigkeiten mit Anteilen von Biodiesel bzw. Fettsäure-Methylester (FAME) (Ausgabe 2009-05)

Die Normen sind in den angegebenen Ausgaben aktuell. Die DIN 1999 Teil 101 befindet sich momentan in der Überarbeitung – hier liegt bereits ein Entwurf mit Fassung von Februar 2026 vor.

Europäische Vorgaben: Benzin- und Ölabscheider nach DIN EN 858 Teil 1 und 2

Die in ganz Europa harmonisierte Normenreihe DIN EN 858 enthält die wichtigsten technischen Vorgaben an Öl- und Benzinabscheider – von der Planung bis zur Ausführung. Sie besteht wie oben aufgeführt aus zwei Teilen, wobei einer den Bau und ein zweiter die Planung sowie den Betrieb der Abscheideranlagen behandelt.

Teil 1: Bau-, Funktions- und Prüfgrundsätze, Kennzeichnung und Güteüberwachung

Benzin- und Ölabscheider nach DIN EN 858 behandeln Abwasser mit einer Dichte von maximal 0,95 Gramm pro Kubikzentimeter. Sie befinden sich üblicherweise in Tankstellen, Gewerbe- oder Industriebetrieben und können auch in Raffinerien zum Einsatz kommen. Wichtig zu wissen ist dabei, dass die DIN 858 vorrangig nicht für Abscheider für Raffinerie-Abscheider konzipiert wurde, in dem Bereich aber herangezogen werden darf.

Die wichtigsten Inhalte im Überblick:

  • Definition von Anwendungsbereichen sowie Begriffen und Verweise auf andere Normen
  • Einteilung der Benzin- und Ölabscheider in zwei Abscheiderklassen (Klasse II mit Restanteil von maximal 100,0 Milligramm Kohlenwasserstoffen pro Liter Abwasser; Klasse I mit Restanteil von maximal 5,0 Milligramm Kohlenwasserstoffen pro Liter Abwasser)
  • Anforderungen an Werkstoffe (Beton, Metall, Kunststoff sowie Beschichtungen und Dichtungen)
  • Vorgaben und Grundsätze des Baus (Unterscheidung in Abscheider- und Schlammfangbereich sowie Vorgabe an Wasserdichtheit, Anschlüsse, Einbauteile und andere Komponenten)
  • Anforderungen an Statik und Belastbarkeit der Öl- und Benzinabscheider
  • Definition von Funktionsanforderungen (Speichermengen, Verschlusseinrichtung, Warnanlagen und Bypass-Einrichtung)
  • Vorgaben für die Kennzeichnung der Öl- und Benzinabscheider nach DIN 858
  • Festlegung von Prüfvorgaben und Typprüfungen

Wichtig zu wissen:

Die DIN EN 858 Teil 1 ist vor allem für die Hersteller von Benzin- und Ölabscheidern relevant. Denn diese müssen die Vorgaben bei der Entwicklung und beim Bau beachten. Möchten Sie einen Abscheider kaufen, sollte dieser den Vorgaben der DIN 858 entsprechen, um keine Risiken einzugehen und die grundlegenden Auflagen zu erfüllen.

Teil 2: Wahl der Nenngröße, Einbau, Betrieb und Wartung

Im zweiten Teil der DIN EN 858 geht es um den praktischen Einsatz der Benzin- und Ölabscheider. Denn die Norm behandelt Themen wie die Auslegung, den Einbau und den Betrieb. Besonders wichtig sind darüber hinaus auch die Vorgaben an die Wartung, da diese maximale Sicherheit und den nötigen Versicherungsschutz gewährleisten.

Die wichtigsten Inhalte im Überblick:

  • Definition von Anwendungsbereichen, Begriffen und Aufführen normativer Verweise
  • Anforderungen an die Auslegung der Benzin- und Ölabscheider nach DIN EN 858 (Aufführen der Komponenten, Bemessung der Nenngröße, Auslegung von Schlammfängen)
  • Vorgaben für den Einbau der Abscheideranlagen (Begrenzungen, Positionierung, Zurückhaltung und selbsttätige Warneinrichtungen)
  • Anforderungen an Betrieb, Kontrolle und Wartung (Eigenkontrolle, Wartung und Generalinspektion)

Wichtig zu wissen:

Ist Teil 1 der Norm hauptsächlich für die Hersteller der Benzin- und Ölabscheider relevant, sollten Planer, Fachhandwerker und Betreiber Teil 2 der Norm beachten. Denn dieser enthält die wichtigsten technischen Anforderungen.

DIN 1999 Teil 100 und 101: Die nationale Ergänzung zur DIN EN 858

Während die DIN EN 858 in ganz Europa gilt, enthält die DIN 1999 wichtige nationale Ergänzungen. In diesen geht es vor allem um die Anwendung und den Einsatz der Abscheider. Wichtig zu wissen ist, dass Sie DIN EN 858 Teil 1, die DIN 858 Teil 2 und die DIN 1999 Teil 100 gemeinsam anwenden müssen, um das geforderte hohe Sicherheitsniveau einzuhalten.

DIN 1999 Teil 100 für den Betrieb von Ölabscheidern in Deutschland

Die Vorgaben der DIN 1999 Teil 100 gliedern sich in mehrere Abschnitte. Diese beziehen sich unter anderem auf die chemische Beständigkeit, Baugrundsätze, Statik sowie Brandschutz, Prüfung und Auslegung der Abscheider. Zudem enthält die Norm wichtige Vorgaben zum Betrieb und zur Wartung.

SchwerpunktInhalt
AllgemeinesAnwendungsbereich, Begriffe und normative Verweise
Chemische BeständigkeitVorgaben für die Verwendung ethanolhaltiger Leichtflüssigkeiten (Prüfflüssigkeiten, Oberfläche, Dichtung, Wasserdichtigkeit)
BaugrundsätzeAnforderungen an Schachtaufbauten, Positionierung, Anschlüsse, Schlammfang, Probenahmeschächte, Warneinrichtungen, Durchführungen, Maße, Verschlusseinrichtungen, Beschichtungen und elektrische Einrichtungen
Statik und BrandschutzAnforderungen an Tragfähigkeit, Gebrauchsteuglichkeit und Brandschutz
Prüfung und KennzeichnungWasserdichtheit, Verschlusseinrichtungen und Kennzeichnung
BemessungVolumen des Schlammfangs, Auslegung bei Fahrzeugwaschanlagen und Auslegung bei Regenwasser und Schlagregen
Planung, Einbau und AnschlussAllgemeine Vorgaben sowie Vorgaben an Einbauteile, Rohrverbindungen, und weitere Einbauten
BetriebAnforderungen an den sicheren Betrieb, die Wartung und die Prüfung von Benzin- und Ölabscheidern nach DIN 1999 Teil 100

DIN 1999 Teil 101 für Abwässer mit Anteilen von Biodiesel (FAME)

Benzin- und Ölabscheider nach DIN 1999 Teil 100 erfüllen nicht alle Anforderungen an den Betrieb mit Biodiesel. Ist mit Fettsäure-Methylester (FAME) im Abwasser zu rechnen, sind daher auch die ergänzenden Vorgaben der DIN 1999 Teil 101 zu berücksichtigen. Diese beziehen sich dabei insbesondere auf Werkstoffe, Dichtungen sowie die Bemessung der Leichtflüssigkeitsabscheider. Weitere Vorgaben betreffen den Betrieb, die Wartung und die Entsorgung der Anlagen.

Die wichtigsten Vorgaben aus DIN 1999 und DIN EN 858 für die Praxis

Wann gelten die Normen? Welche Klassen von Abscheidern gibt es und was ist bei der Wartung zu beachten? Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten Vorgaben.

Die wichtigsten Vorgaben aus DIN 1999 und DIN EN 858 für die Praxis
Wann gelten die Normen? Welche Klassen von Abscheidern gibt es und was ist bei der Wartung zu beachten? Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten Vorgaben.

InhaltVorgaben
GeltungsbereichDIN EN 858 regelt Bauart, Prüfung und Leistung von Ölabscheidern für Mineralöle (Klasse I) und Emulsionen (Klasse II). DIN 1999-100 ergänzt dies um Planung, Bau, Betrieb und Wartung in Deutschland. Beide Normen dienen der Einhaltung des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) und der AwSV, die den Schutz von Gewässern vor wassergefährdenden Stoffen vorschreiben.
KlassifizierungÖlabscheider werden nach DIN EN 858 in Klasse I (für Mineralöle wie Diesel, Heizöl) und Klasse II (für Mineralöle und Emulsionen, z. B. in Werkstätten) unterteilt. Benzinabscheider erfordern spezielle Zertifizierungen. Die Wahl der Klasse hängt von der Art der Belastung und den lokalen Vorschriften ab.
BemessungDie Dimensionierung erfolgt nach DIN EN 858 und DIN 1999-100 anhand der Zuflussmenge (Q), der Aufenthaltszeit (mind. 30 Min. für Klasse I, 60 Min. für Klasse II) und des Leichtflüssigkeitsdurchsatzes. Das Mindestspeichervolumen für Öl beträgt 10 % (Klasse I) bzw. 15 % (Klasse II) des Abscheidervolumens, mindestens jedoch 50 bzw. 75 Liter.
EinbauDer Ölabscheider muss vor der Einleitung in die Kanalisation, frostfrei und zugänglich für Wartungen eingebaut werden. Er benötigt eine CE-Kennzeichnung und ggf. ein GS-Zeichen. Materialien wie Kunststoff, Stahl oder Beton müssen den Anforderungen der AwSV entsprechen. Sicherheitseinrichtungen wie Überlaufsicherungen sind Pflicht.
BetreiberpflichtenBetreiber müssen den Ölabscheider anmelden (AwSV), ein Betreiberbuch führen, regelmäßige Funktionsprüfungen (alle 6 Monate) und Wartungen (mind. 1× pro Jahr) durchführen lassen. Bei Störungen oder Leckagen ist die Behörde zu informieren. Die Dokumentation muss 10 Jahre aufbewahrt werden.
FunktionsprüfungAlle 6 Monate sind Ölstand, Dichtheit, Ventile und Belüftung zu prüfen. Der Ölstand darf maximal 80 % des Speichervolumens betragen, der Schlammstand maximal ein Drittel des Abscheidervolumens. Ergebnisse sind im Betreiberbuch zu dokumentieren.
Wartung & ReinigungDie Wartung umfasst das Abpumpen von Öl und Schlamm, die Reinigung der Innenwände und den Wechsel von Filtern. Sie muss mindestens einmal jährlich oder bei Erreichen der Grenzwerte erfolgen. Die Reinigung ist durch Fachpersonal durchzuführen und zu protokollieren.
EntsorgungÖl und Schlamm aus Ölabscheidern sind als Sonderabfall (AS 13 02 08* für Öl, AS 19 08 01* für Schlamm) zu entsorgen. Die Entsorgung muss durch zugelassene Unternehmen erfolgen und im Betreiberbuch dokumentiert werden.
GenehmigungÖlabscheider, die wassergefährdende Stoffe zurückhalten, müssen vor Inbetriebnahme bei der unteren Wasserbehörde angemeldet oder genehmigt werden (AwSV). Bestehende Anlagen können bei Änderungen nachrüstpflichtig sein.
NotfallmanagementDie Betreiber sollten einen Notfallplan für Ölunfälle erstellen, der Maßnahmen wie Absperrung, Meldung an Feuerwehr und Behörde sowie die Dokumentation des Vorfalls umfasst. Eine Schulung des Personals ist empfehlenswert.

Möchten Sie einen Benzin- oder Ölabscheider kaufen, empfehlen wir den Kontakt zu einem Fachplaner oder Fachhandwerker aus Ihrer Region. Die Experten nehmen die wichtigsten Grunddaten auf und helfen, die Anlage optimal auszulegen. Auf die Planung folgt der fachgerechte Einbau und die bedarfsgerechte Unterstützung im Betrieb.

FAQ: Häufig gestellte Fragen und Antworten zum Thema

Benötige ich für einen Ölabscheider eine Genehmigung?

Ja, Sie müssen Ihren Ölabscheider vor Inbetriebnahme bei der unteren Wasserbehörde anmelden, da er wassergefährdende Stoffe zurückhält. Ohne Anmeldung riskieren Sie Bußgelder nach dem Wasserhaushaltsgesetz.

Welche Normen gelten für Ölabscheider in Deutschland?

Sie müssen die europäische DIN EN 858 für Bau und Betrieb sowie die nationale DIN 1999-100 für die Anwendung einhalten. Bei Biodiesel (FAME) kommen zusätzlich die Vorgaben der DIN 1999-101 hinzu.

Wie oft muss ich einen Ölabscheider warten lassen?

Sie lassen Ihren Ölabscheider mindestens einmal jährlich warten und prüfen den Ölstand alle 6 Monate. Bei starker Belastung – etwa in Werkstätten – können kürzere Intervalle erforderlich sein.

Darf ich Regenwasser in den Ölabscheider leiten?

Nein, Sie dürfen nur das Abwasser einleiten, für das der Abscheider ausgelegt ist. Eine Einleitung von Regenwasser ist nur erlaubt, wenn der Abscheider explizit dafür zertifiziert wurde.

Was passiert, wenn Öl in die Kanalisation gelangt?

Sie riskieren Bußgelder von bis zu 50.000 € nach dem WHG und müssen die Kosten für die Sanierung der Kanalisation tragen. Zudem drohen strafrechtliche Konsequenzen bei grober Fahrlässigkeit.

Wo muss ich den Ölabscheider nach DIN 1999 100 einbauen?

Sie bauen ihn vor der Einleitung in die Kanalisation, frostfrei und zugänglich für Wartungsarbeiten, ein. Achten Sie auf eine ausreichende Belüftung, besonders bei Benzinabscheider.